Das Bild des Arztes und sein Auftrag in der Gesellschaft von 1949 bis zur Gegenwart im Spiegel des Deutschen Ärzteblattes

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/77048
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-770488
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-18450
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2017-07-13
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Wiesing, Urban (Prof. Dr. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2017-05-31
DDC-Klassifikation: 300 - Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
430 - Deutsch
610 - Medizin, Gesundheit
900 - Geschichte
Schlagworte: Arzt , Deutsches Ärzteblatt
Freie Schlagwörter: Arztbild
Bild des Arztes
Auftrag des Arztes
Ärzteschaft
Arzt in der Gesellschaft
Aufgabe des Arztes
Arztpersönlichkeit
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Die Promotionsarbeit untersucht das Bild des Arztes und seinen Auftrag in der Gesellschaft. Als Quellenkorpus diente dafür das Deutsche Ärzteblatt, wobei Artikel von 1949 bis 2014, die Äußerungen über Ärzte oder die Ärzteschaft enthielten, herangezogen wurden. Die Auswertung erfolgte mittels historischer Diskursanalyse. Um Thesen für die chronologisch angeordneten Kapitel zu formulieren, wurde die Artikelverteilung über die Jahrzehnte ausgewertet. Als Dekaden übergreifende These stand die Entwicklung des Arztbildes vom „Halbgott in Weiß“ zum Dienstleister im Raum, welche es zu belegen galt. Das erste Kapitel des Hauptteils umfasst den Zeitraum von 1949 bis 1957 und zeigt das Arztbild der Nachkriegsjahre, welches zunächst von den Entbehrungen der Zeit geprägt war. Um sich von den Medizinverbrechen der Ärzte im „Dritten Reich“ abzugrenzen, beschäftigte sich die Ärzteschaft mit einer Redefinition des Selbstbildes und des ärztlichen Ethos. Das zweite Kapitel, welches das Arztbild von 1958 bis 1967 beinhaltet, veranschaulicht, wie der Ärztestand vom allgemeinen Aufschwung und Optimismus profitierte. Der Arzt galt als hoch angesehen, die Gesellschaft war von den Versprechungen und Verheißungen der modernen Medizin fasziniert, während die Ärzteschaft selbst in dieser Zeit hauptsächlich mit einer Definition des professionellen Idealbildes beschäftigt war, welche sich von der hippokratischen Ethik herleitete und von der Öffentlichkeit im Wesentlichen akzeptiert wurde. Das dritte Kapitel stellt den Zeitraum von 1968 bis 1979 dar und zeigt, wie die Stimmung zu Beginn der 1970er Jahre kippte. Im Rahmen einer vehementen Systemkritik und des Aufbegehrens gegen die alten Eliten wurde auch die Ärzteschaft angegriffen. Es wurden ihr eine Enthumanisierung der Medizin sowie Geld- und Machtgier vorgeworfen; die Ärzteschaft war in die Defensive geraten. Das vierte und fünfte Kapitel umfasst die 1980/90er Jahre. Hier fand sich lediglich eine Fortsetzung des Arztbildes der 1970er Jahre. Während die Medien und teils auch die Politik die Ärzteschaft weiter kritisierten, wurde das Arztbild durch die widersprüchliche Erwartungshaltung der Patienten zusätzlich ins Wanken gebracht. Einerseits bestand weiterhin eine Fortschrittsideologie und Technophilie, andererseits der Wunsch nach einer holistischeren Medizin. Im sechsten Kapitel des Hauptteils wird das Arztbild ab dem Jahr 2000 aufgezeigt. Dabei stand dann vor allem die generelle Unzufriedenheit der jungen Ärzte im Mittelpunkt. Besonders die ungenügende Bezahlung, die langen Arbeitszeiten und die Unvereinbarkeit des Berufes mit der Familie waren der „Generation Y“ ein Dorn im Auge. Auch fühlte sich die Ärzteschaft durch „Dr. Google“ immer weniger ernst genommen und sah in der zunehmenden Information über die digitalen Medien eine große Gefahr für eine vertrauensvolle Arzt-Patientenbeziehung. Ferner machte den Ärzten die zunehmende Ökonomisierung der Medizin zu schaffen. Was für die einen ein notwendiges Übel zum wirtschaftlichen Überleben darstellte, war für die anderen eine Überschreitung des ärztlichen Ethos. Das ambivalente Verhältnis zu den Medien wurde zudem immer deutlicher: Einerseits wurde die Ärzteschaft in negativen, oft pauschalisierenden Schlagzeilen diffamiert, andererseits boten sich gerade hierdurch Möglichkeiten, gezielt die Bevölkerung über medizinische Themen zu informieren. Dekaden übergreifend konnte in einem weiteren Kapitel der Einfluss der Feminisierung der Medizin auf das Arztbild herausgearbeitet werden. Es zeigte sich, dass Ärztinnen andere Eigenschaften mit in den Arztberuf brachten, womit sich das Bild des Arztes in der Öffentlichkeit sukzessive veränderte. Wie sehr das Arztbild im Laufe der Jahrzehnte mal mehr und mal weniger positiv besetzt war, konnte im letzten Kapitel des Hauptteils anhand der Anzahl der Studienplatzbewerber als Marker für die Attraktivität dargestellt werden. Im Ergebnis zeigt sich, dass sich das Ansehen des Arztes jedoch immer auf einem sehr hohen Niveau gehalten hat. Zusammenfassend lässt sich indes auch sagen, dass die Ansichten über das Arztbild immer weiter auseinander gingen. Waren in den Nachkriegsjahren Selbst- und Fremdbild fast kongruent, so fühlten sich Ärzte im 21. Jahrhundert stets von der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt, obwohl das Selbstbild dafür weniger Erklärung bot. Im Rückblick kann also eine Entwicklung vom „Halbgott in Weiß“ zum Dienstleister im Rahmen dieser Arbeit durchaus bestätigt werden.

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